Grüne Klagenfurt

Abriss Pötzl-Haus – Wieder ein Stück Geschichte weniger

GR DI Elias Molitschnig präsentiert eine Momentaufnahme des Abrisses und richtet, zum wiederholten Mal, einen Appell an die Stadtplanung, die Bauherren und die Bevölkerung mit der architektonischen Identität Klagenfurts sorgsamer umzugehen.

„Andere Städte machen es uns vor, wir schauen nicht mal hin“, GR Elias Molitschnig zeigt offen seine Enttäuschung über den Mangel an Sensibilität, der durch die eine oder Bautätigkeiten in der Klagenfurter Altstadt deutlich sichtbar wird. „Während in Städten die einen historischen Kern haben, behutsam erneuert wird, was der Renovierung bedarf, wird bei uns nur mit der Abrissbirne gedacht. Das jüngste Negativbeispiel: das Pötzl-Haus wird gerade zerstört. Die Mauern, wie man auf dem Foto sieht (Anm.: im Anhang), sind aus Naturstein. Das Haus prägte, wie auch das abgerissene ‚Palliardi-Haus‘, die Fassadenlandschaft rund um den Domplatz. Mit heutigen Mitteln und der damit verbundenen wirtschaftlichen Kalkulation ist keine annähernd gleichwertige Bausubstanz kaum zu schaffen, zumindest was den kulturellen Wert betrifft.“

„Wir Grünen haben uns im Gemeinderat gegen diese Bauwidmung ausgesprochen. Wir sind der Ansicht, dass es an einer derart exponierten und wichtigen Stelle der Altstadt und mit direkter Blickbeziehung zum Dom hochwertiger gemacht werden müsste. Unser Credo wäre hier die behutsame Erweiterung des Dachgeschosses in Leichtbauweise gewesen. Darüber hinaus wäre für uns die Erhaltung der Geschäftsfläche in der Erdgeschosszone zwingend gewesen. Vom Prozess her wäre im Ermessen der Notwendigkeit eines Neubaus ein städtebaulicher Wettbewerb an dieser Stelle Pflicht gewesen, um ein Höchstmaß an gestalterischer Qualität an diesem Ort  zu gewährleisten. Weiteres sehen wir die Installation eines unabhängigen Planungs- und Gestaltungsbeirats als wesentlich in der Stadt Klagenfurt an und haben hierfür umfangreiche Vorarbeiten und Strategiegespräche bereits geführt. Es gilt hier dieses Bekenntnis für Qualität gemeinsam politisch zu tragen und ein Budget für eine fachliche Begleitung von Bauvorhaben in der Stadt dringend bereitzustellen. Positivbeispiele wie eine mit Klagenfurt vergleichbare Stadt, nämlich Innsbruck gibt es bereits und auch ein namhaftes und mehrfach ausgezeichnetes Gremium in Velden könnte beispielgebend sein.

Es ist unsere Ansicht, dass es ohne einen Planungs- und Gestaltungsbeirat für die Stadtentwicklung so nicht weitergehen darf“, wiederholt der Grüne Gemeinderat eine langjährige Forderung der Klagenfurter Grünen GemeinderätInnen. „Und mit dem Schutz der Fassaden allein ist es auch nicht getan. Es ist schon sehr viel mehr an historischer städtebaulicher Qualität, die wir alle so sehr an unserer Stadt schätzen dem Erneuerungswahn geopfert worden“, fügt Molitschnig hinzu „was andernorts stolz gehegt oder gar als Welt-Kulturerbe erklärt wird.“ Beispiel hierfür ist das sich in Abriss befindende Neuner Areal. Eine vergleichbare große und hochwertigste Bausubstanz ist in ganz Österreich nicht mehr vorhanden, unwiederbringlich und könnte auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt sein. Andere Städte sind sich der Kraft solcher Orte als ein Motor für die Stadtentwicklung weitestgehend bewusst. (Panzerhalle Salzburg, Gusswerkareal Salzburg, Butcher Distrikt Kopenhagen u.v.m.)

„Gerade weil ich Architektur studiert habe ist meine Überzeugung, dass der respektvolle Umgang mit den alten Strukturen und mit ‚grauer Energie‘ ein Qualitätsmerkmal für gute und moderne Architektur darstellt. Darum müssen wir für sämtliche Bautätigkeiten, die an historisch wertvollen Gebäuden gemacht werden, Architektenwettbewerbe zwingend vorschreiben. Es liegt nicht alleine in der Verantwortung der BauwerberInnen. Ich habe dazu bereits umfangreiche Anträge verfasst wie beispielsweise eine Unterstützung von Architekturwettbewerben durch die öffentliche Hand oder eine Stärkung der Fördermittel für altstadterhaltende Maßnahmen. Dabei ist jedoch auch die Stadtpolitik und Verwaltung gefordert. Sie muss hier endlich Visionen entwickeln“, so GR Molitschnig abschließend.

Veröffentlicht am 24.09.2019 um 11:01
Schlagwörter: ,

Mehr von Elias Molitschnig »