Bleibt uns nichts von Maria Lassnig?

Bleibt uns nichts von Maria Lassnig?

Klagenfurt (23.10. 2015) Dass die Maria-Lassnig-Stiftung hier im Heimatland der berühmten Künstlerin auf der Suche nach persönlichen Erinnerungsstücken und Unikaten unterwegs ist, ist verständlich. Diese sollten aber im Land bleiben und in Klagenfurt oder Metnitz in einem kleinen Lassnig-Museum präsentiert werden. Doch der Verkauf der beiden Lassnig-Immobilien steht bevor. Ziel der Stiftung ist „die Erhaltung und die öffentliche Präsentation des Lebenswerkes“, mahnt Kultursprecherin Schmid-Tarmann.

„Die Maria-Lassnig-Privatstiftung verwaltet nun das gesamte Oeuvre der am 6. Mai 2014 94-jährig verstorbenen Künstlerin Maria Lassnig. Zeitlebens hatte die berühmte Malerin eine starke Beziehung zu ihrer Heimat. Es erhebt sich die Frage, warum es weder von der Stadt Klagenfurt noch vom Land Kärnten Bemühungen gibt, die Stiftung dazu zu bringen, eine der Lassnig-Immobilien zu einem kleinen, aber feinen Museum mit ihren persönlichen Gegenständen, Skizzen etc. zu machen.“

Warum diese Künstlerin von Weltgeltung in ihrem Heimatland Kärnten nicht gebührend geehrt wurde 1, hatte die Grüne Klagenfurter Kultursprecherin Evelyn Schmid-Tarmann mehrmals hinterfragt. „Lediglich 1985 wurde Maria Lassnig der Landeskulturpreis zuerkannt. Es gibt  weder nennenswerte Ankäufe von Seiten der Stadt Klagenfurt oder vom Land Kärnten, noch hat man sich bemüht, ein kleines Maria-Lassnig-Museum einzurichten,“ zeigt sich die Gemeinderätin enttäuscht. „Ihr ehemaliges Atelier in der Klostergasse (heute in Privatbesitz), ihr Haus in der Tschabuschnigg-Straße 3 oder das Sommer-Atelier in Metnitz  könnte man aber für die Öffentlichkeit bewahren und ein Museum mit ihren persönlichen Dingen einrichten, Originale gäbe es genug! Nun habe ich erfahren, dass die Maria-Lassnig-Privatstiftung nach und nach Diverses aufkaufen und außer Landes bringen will. „Ich beklage fehlendes Interesse der politisch Zuständigen und mangelnde Kooperationsbereitschaft mit der Stiftung“, so die Grüne Gemeinderätin.

Es gibt beispielsweise Privatpersonen, die persönliche Erinnerungsstücke an Maria Lassnig bewahren. Durch die jahrzehntelange Freundschaft von Traudl Osborne mit Maria Lassnig besitzen diese sowie deren Verwandte und Freunde eine schöne Sammlung von Skizzen, Portraits, Briefen, Ansichtskarten etc. Gerne würden diese einige Unikate der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, wenn es einen geeigneten Rahmen dafür gäbe“, berichtet Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann.

Info:
„In Kappel am Krappfeld geboren, übersiedelte Maria Lassnig noch als Kind nach Klagenfurt, wo sie die Ursulinen-Klosterschule besuchte. Im Haus ihrer engen Jugendfreundin in der St.Veiter Straße ging sie ein und aus. Die Freundschaft mit „Traudl“ hielt lebenslang an. Deren persönlicher Briefwechsel mit Maria Lassnig, Ansichtkarten, Zeichnungen und Portraits befinden sich im Besitz der Familie 4. – 1941 ging Lassnig nach Wien, kehrte aber nach Ablegung ihres Diploms 1945 nach Klagenfurt zurück. Ihr erstes Atelier war am Heiligen-Geist-Platz Ecke Klostergasse. Hier entstanden Porträts, Stillleben und Tierbilder. Im Klagenfurter Künstlerhaus 1948 hatte sie ihre erste Einzelausstellung mit ihren „Körperbewusstseinszeichnungen“ 2. Bis 1951 – sie lebte danach in Wien, Paris und New York – war das Atelier von Maria Lassnig Treffpunkt bedeutender KünstlerInnen und DichterInnen. Maria Lassnig besaß auch ein Haus in der Adolf-Tschabuschnigg-Straße Ecke Linsengasse , welches allerdings schon viele Jahre unbewohnt ist. Im Hofgebäude lebte lange Jahre der Aktionskünstler Viktor Rogy – dann auch mit seiner späteren Ehefrau, der Künstlerin Bella Ban – bis zu seinem Tod 3Ihr Sommeratelier hatte Maria Lassnig in einer aufgelassenen Volksschule im Metnitztal. Als Maria Lassnig nach zahlreichen internationalen und österreichischen Preisen zur Eröffnung der 55. Biennale von Venedig der „Goldene Löwe“ für ihr Lebenswerk verliehen worden war, forderte die Grüne Kultursprecherin Evelyn Schmid Tarmann erneut, „Es wäre Zeit, Maria Lassnig auch in ihrer Heimat zu ehren 4. Im Jahr darauf verstarb die weltberühmte Künstlerin und ihr Lebenswerk ist nun in einer Stiftung 4.

1 https://klagenfurt.gruene.at/es-wird-zeit-maria-lassnig-in-kaernten-zu-ehren/

 https://klagenfurt.gruene.at/maria-lassnig-museum-waere-magnet-fuer-klagenfurt/

2001 gründete Maria Lassnig selbst noch eine Stiftung mit dem Ziel „…der öffentlichen Präsentation des Lebenswerkes der Stifterin und Erhaltung ihres künstlerischen Werkes für die Allgemeinheit“. Da sie selbst kinderlos geblieben war, wollte sie, dass ihr Lebenswerk, das rund 250 Gemälde und mehr als tausend Zeichnungen umfassen soll, nicht in Privatbesitz gerät, sondern in großen Museen für die Öffentlichkeit erhalten bleibt. Sitz der Stiftung ist ihr ehemaliges Atelier im 14. Wiener Bezirk in der Gurkgasse, seit Oktober ist der ehemalige künstlerische Leiter des Grazer Joanneums, Peter Pakesch, der Vorsitzende im Stiftungsvorstand der Maria-Lassnig-Privatstiftung.

LassnighausLassnighaus-Hofgebäude