Grüne Klagenfurt

Diese Stadtentwicklung ist eine ökologische Sackgasse

Klagenfurt (23.10.2018) - „Das grundsätzliche Problem der Stadtentwicklung in Klagenfurt ist ein Bewusstseinsproblem, eine falsche und rückgewandte Haltung in der Politik und bei den Entscheidungsträgern. Wir müssen dringend die technischen 60er Jahre hinter uns lassen, in denen alles dem Automobil und der sogenannten ‚Stadterneuerung‘ untergeordnet wurde. In diesem Zusammenhang wurden viele hochwertige historische Stadtteile sowie wesentliche Grün- und Auanlagen zerstört, um für den Verkehr und die Autos Platz zu machen“, stellt GR Elias Molitschnig fest.

Und er fasst die Schieflage wie folgt zusammen:

Bei den jüngsten Beispielen der Hochwasserschutz Projekte wird die Setzung der falschen Hierarchien ersichtlich. Mit dem Vorwand – dringenden Wohnraum schaffen zu müssen wird wiederum die Natur und der Flussraum zurück gedrängt, anstelle einer naturnahen Lösung bei dem Wasser und Wohnen Hand in Hand gehen. Dazu gibt es wunderbare Beispiele in Holland, Belgien und den skandinavischen Nachbarländern. Dort wurde längst erkannt, dass es eine hohe Qualität ist, am Wasser zu leben wenn die Rahmenbedingungen richtig gesetzt werden. Bei uns in Klagenfurt wird leider immer noch die technische Lösung der räumlichen vorgezogen —  und das ist völlig falsch. Der bestehende Naturraum und der Lebensraum in der Stadt müssen hier den Vorzug erhalten und die geplanten technischen Maßnahmen müssen sich in einer Gesamtentwicklung unterordnen, um nicht die vorhandenen Qualitäten dieser wichtigen Naherholungsräume nachhaltig zu schädigen.

Die übergeordneten und zusammenhängenden Park- und Grünräume sind es, die in dieser Stadt die wesentlichen Raumqualitäten bilden und ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität sind. Es ist einzigartig wie in Klagenfurt Naturraum auf Stadtraum trifft. Diese Qualitäten sind unsere lebendigen Ressourcen und wir dürfen uns nicht unsere Lebensgrundlage zerstören, denn sie ist unser höchstes Gut und der wesentliche Teil denn die Klagenfurter Bevölkerung als Grund angibt warum sie Klagenfurt als ihren Lebensmittelpunkt gewählt haben! Wenn wir das also ernst nehmen, dürfen wir diese bestehenden Qualitäten nicht verschlechtern sondern müssen Gutes bewahren – weniger Gutes verbessern und hochwertiges Neues schaffen das diesem Umfeld gerecht wird.

Zum Thema Hochwasserschutz Glanfurt wäre es wünschenswert aus der Sicht des Flusses zu denken und wieder mehr Raum für Natur und Erholung bereitzustellen. Die Hochwassergefahr lässt sich nicht mit einer Vergrößerung des Abfließvolumens allein bändigen, sondern großzügige Retentionsflächen müssen Teil der Planung sein.

„Der vertiefte, verbreiterte Flusslauf wird, wie ich von Experten erfahren konnte, keine Entlastung der Gebiete in Waidmannsdorf und in der UNI-Gegend bringen. Der Grundwasserspiegel ist unabhängig vom Fassungsvermögen der Glanfurt. Den betroffenen Menschen in diesen Gebieten sollte hier reiner Wein eingeschenkt und nicht falsche Hoffnungen gemacht werden“, ist Molitschnig überzeugt.

„Die Nordöffnung der Keltenstraße wird eine allmorgendliche Verkehrslawine für die AnrainerInnen der Siebenhügelstraße bedeuten. Die BürgerInnen von Waidmannsdorf wurden in den Entscheidungsprozess nicht miteinbezogen, obwohl sie es sind, die die zusätzlichen Staus, Lärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung werden ertragen müssen“, bringt der grüne Gemeinderat ins Spiel und sieht eine Verbindung zwischen der Nichtachtung der Naturgegebenheiten und der Ignoranz gegenüber den BürgerInnen in der gegenwärtigen Entwicklung.

„Wir haben die Flächen der Flüsse sowieso schon bis zum Geht-nicht-mehr beschnitten in den 60er Jahren. Stadtentwicklung wird nur in den Kategorien Wohnburgen, Parkplätze und freie Fahrt für Verbrennungsmotoren gedacht. Das Auto wird in den Mittelpunkt gerückt und Öffis, Radfahrer und Fußgänger an den Rand. Ich bin wirklich verärgert über diese rückwärtsgewandte, lobbygetriebene Politik und wünsche mir drei Dinge:

  1. Der Natur ihren Raum geben. Mehr Wertigkeit für die Umwelt in den generellen Überlegungen. Die Stadtentwicklung ist gefordert, sich nach diesen Rahmenbedingungen zu richten.
  2. Den nachhaltigen und umweltschonenden Fortbewegungsformen sind die dafür nötigen Wege und Vorränge einzuräumen.
  3. Dem Menschen ist ein lebenswertes Umfeld zu erhalten und zu gestalten. 

Wir müssen uns vorerst die bestehenden Flächenpotentiale widmen und keine Neuwidmungen außerhalb mehr vorsehen. Das wäre wirklich wirtschaftlich und nachhaltig! Es braucht kein neues Bauland auf noch unversiegelten Flächen mehr!“, gibt GR Elias Molitschnig den MandatarInnen in der Stadtpolitik zum Nachdenken mit.

Veröffentlicht am 23.10.2018 um 13:24

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