Grüne Klagenfurt

Was bleibt vom Jubiläumsjahr Klagenfurt 500 außer einem bitteren Nachgeschmack?

Bitter, gerade im Jubiläumsjahr öffentliches Eigentum wie den Flughafen und die Benediktinerschule verschleudern sowie das Neunerareal und den Emmersdorfer Schlossstadel abreißen zu wollen. „Auch nichts Nachhaltiges, keine einzige Kulturstätte wurde geschaffen im Spektakeljahr“, beklagt Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann.

„Es läuft falsch, wenn heuer zum 500 Jahr-Jubiläum viel Geld in die Hand genommen wurde – vor allem für Organisation und Organisator - und wenn nichts Nachhaltiges bleibt. Nachhaltigkeit  und Bestand findet sich nicht im Spektakeljahr. Keine neu geschaffenen Kulturstätten, die dringend benötigt werden“, beklagt Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann. „Klagenfurt hat nach wie vor keine attraktiven Angebote für Junge, keine Stadtbibliothek, kein Stadtmuseum, keine Veranstaltungshalle, ein viel zu kleines Alternativkino, keine herzeigbare Mittelbühne. Das alles hätte man in der Benediktinerschule unterbringen können“, beklagt Kultursprecherin Evelyn Schmid-Tarmann den „Leberkäs- und Spiele-Charakter“ des Jubiläumjahres.

„An das Jubiläumsjahr 500 wird nachfolgende Generationen einzig die Maximilian-Eiche erinnern, die Stadtrat Frank Frey gepflanzt hat“, erinnert die Grün-Mandatarin.

„Statt die denkmalgeschützte Benediktinerschule im Herzen der Stadt zu behalten und öffentlich für die Bevölkerung zu nutzen, wird sie nun verhökert. „Wer hat die KlagenfurterInnen, gefragt, was mit diesem prächtigen Bauwerk geschehen soll?
Die tausenden MarktbesucherInnen hätten sicher gute Vorschläge gehabt, was hier benötigt wird und sinnvoll wäre!

Bei der GR-Sitzung am 17.12. wurde der Verkaufsbeschluss gefasst. Doch es gibt viele offene Fragen, z.B. Welchen Ersatz gibt es, wenn die Turnsäle abgerissen werden? Nicht nur der KTV, sondern viele anderen Vereine und die Waldorfschule nutzen sie, das sind Hunderte Betroffene! Was geschieht mit der Hauptpost, wenn im nächsten Jahr der Vertrag ausläuft? Es ist die einzig noch bestehende Postfiliale in der Innenstadt. Früher oder später wird sie ebenfalls geschlossen werden - wohl wegen Eigenbedarfs der Eigentümer.
GRin Schmid-Tarmann kommt am Ende des Jubiläumsjahres zum Schluss: „Leider läuft es falsch in Klagenfurt, wenn gerade im Jubiläumsjahr 500 der Ausverkauf der besten Immobilien der Stadt betrieben und ein historisches Bauwerk wie der Emmersdorfer Schloss-Stadel oder das Neunerareal abgerissen wird statt die intakte Bausubstanz für die Nachwelt zu erhalten und sie innovativ zu renovieren und für die Bevölkerung zu nutzen.“

Soziale Nachhaltigkeit „verankern“

Soziale Nachhaltigkeit muss bei der Realisierung öffentlicher Bauvorhaben, insbesondere im sozialen Wohnbau, stärker in den Fokus genommen werden, findet Gemeinderat Elias Molitschnig. „Lebensqualität, soziale Durchmischung und gemeinschaftliche Nutzungsvielfalt fördern das Miteinander und verhindern Wohnghettos.“

„Nachhaltigkeit bei öffentlichen Bauvorhaben, insbesondere im geförderten Wohnbau, betrifft neben ökologischen und ökonomischen auch soziale Kriterien“, ist Gemeinderat Elias Molitschnig überzeugt. „Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, dass neben der reinen Gebäudeplanung auch Aspekte, die Menschen zusammenbringen, berücksichtigt werden. Es geht um Orte der Kommunikation, die auch außerhalb der Wohnungen geschaffen werden“, beschreibt Molitschnig, der im April einen Antrag dazu eingebracht hat. „Dieser wurde in der letzten Sitzung des Planungsausschusses positiv behandelt. Die zuständigen Abteilungen sollen nun Vorschläge entwickeln, wie soziale Nachhaltigkeit zum Wohle der Allgemeinheit vorangetrieben werden kann.“

Bei Wohnungsneubauten sind StadtplanerInnen, ArchitektInnen und SoziologInnen  dazu aufgerufen, soziale Nachhaltigkeit zu sichern. „Um eine hohe Lebensqualität und Wohnzufriedenheit zu erreichen, braucht es die Einbindung der künftigen MieterInnen. Nur so können Wohnungen mit durchdachten Grundrissen sowie Freiräume und Gemeinschaftseinrichtungen, die das Miteinander fördern, entstehen.“

Auch bei Gebäudesanierungen spielt soziale Nachhaltigkeit eine große Rolle. „Die Einbindung betroffener MieterInnen bei Veränderungsprozessen bietet die Möglichkeit einer Begegnung auf Augenhöhe. Die Begegnung mit Menschen und deren Bedürfnissen ist ein Garant für soziale Nachhaltigkeit.“

Molitschnig: „Die Art wo und wie wir wohnen, beeinflusst unser Lebensumfeld ganz zentral und sagt viel über das Miteinander in der Gesellschaft aus. Bezahlbaren, lebenswerten Wohnraum zu schaffen, zu erhalten und weiterzudenken, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Das friedvolle Zusammenleben in einer zunehmend von differenzierten Lebensstilen geprägten Gesellschaft, stellt gegenwärtig eine besondere Herausforderung dar. Deshalb braucht es im sozialen Wohnbau eine sensible Herangehensweise, die sich ganz stark an den MieterInnen orientiert.“